Prävention ist KEIN Heilsbringer

Geht es um die Zu­kunft der Ge­sund­heits­ver­sor­gung, redet jeder von Prä­ven­ti­on und Health Li­ter­a­cy.

Die Lö­sung ist dann meist Ge­sund­heits­er­zie­hung, eine ge­sun­de Jause und Be­we­gung in der Schu­le, da Kin­der von heute Er­wach­se­nen von Mor­gen sind, die ge­sund al­tern und das Ge­sund­heits­sys­tem ent­las­ten sol­len.

Wei­ter­le­sen: Prä­ven­ti­on ist KEIN Heils­brin­ger

Aber auch die all­ge­mei­ne Vor­sor­ge­un­ter­su­chung sei wich­tig, denn früh er­kann­te Krank­hei­ten sind bes­ser zu be­han­deln. Auch das würde viel spa­ren. An­geb­lich sechs Euro pro in Vor­sor­ge in­ves­tier­tem Euro.

Es ist immer wie­der er­staun­lich, wel­che Wir­kung der Prä­ven­ti­on zu­ge­dacht wird. Lei­der ist das alles eher Po­pu­lis­mus, und, wenn es um die Ein­for­de­rung der Ei­gen­ver­ant­wor­tung geht, mit Hang zur Dem­ago­gie.

Wis­sen­schaft­lich ist daran bes­ten­falls sehr wenig. Dort gilt seit lan­gem das „Po­ly­pen-Rät­sel“ und das „In­ver­se Care Law“. Ers­te­res be­schreibt den Zu­sam­men­hang zwi­schen un­wirk­sa­men Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men, wenn es kein sta­bi­les Krank­heits­mo­dell gibt, zwei­te­res das Pro­blem, dass vor allem jene Prä­ven­ti­on in An­spruch neh­men, die am we­nigs­ten davon pro­fi­tie­ren

Für das Po­ly­pen-Rät­sel gibt es das Bei­spiel Schild­drü­sen­krebs. Der wird durch ver­bes­ser­te dia­gnos­ti­sche Maß­nah­men immer „frü­her“ ent­deckt. Doch trotz sei­nes na­he­zu epi­de­mi­schen Auf­tre­tens, bleibt die Mor­ta­li­tät un­ver­än­dert. Durch „Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen“ fin­den wir also sehr viele Kreb­se, ohne dass sich die Zahl der daran ge­stor­be­nen än­dert – wir über­dia­gnos­ti­zie­ren und über­the­ra­pie­ren.

Po­pu­lis­tisch könn­te man diese Zah­len aber auch so in­ter­pre­tie­ren, dass sich die Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit ver­viel­facht hat. Und all jene, die eine Schild­drü­sen-OP wegen „Krebs“ hat­ten, und nicht daran star­ben, sind davon auch fest davon über­zeugt. Al­lei­ne es stimmt nicht.

Früh­er­ken­nung ist mit Vor­sicht zu be­trach­ten. Und weil es eben nur für we­ni­ge Krank­hei­ten so sta­bi­le Ver­laufs­mo­del­le gibt, dass eine frühe Dia­gno­se wirk­lich was bringt, gibt es nir­gends mehr all­ge­mei­ne Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen. Sol­che Un­ter­su­chun­gen sind nur dort sinn­voll, wo es um spe­zi­fi­sche Krank­hei­ten bei spe­zi­fi­schen Be­völ­ke­rungs­grup­pen (Ri­si­ko­grup­pen) geht.

Und selbst dann gibt es ein Pro­blem, näm­lich das In­ver­se Care Law.

Sinn­vol­le Prä­ven­ti­ons­pro­gram­me müs­sen das Ziel haben 100% der adres­sier­ten Be­völ­ke­rungs­grup­pe zu er­rei­chen. Denn die ers­ten 50% wer­den gar nicht davon pro­fi­tie­ren. Die ach­ten von selbst so gut auf die ei­ge­ne Ge­sund­heit, dass jedes Pro­gramm de­fac­to un­nö­tig ist. Für die nächs­ten 25% be­steht eine 50/50 Chan­ce, dass das Pro­gramm was be­wirkt. So rich­tig wirk­sam, ist es erst bei dem letz­ten Vier­tel. Das sind jene mit schlech­ter Health Li­ter­a­cy, nied­ri­ger Com­p­li­an­ce und noch nied­ri­ge­rer Ad­he­rence – Ei­gen­ver­ant­wor­tung ein­zu­for­dern mag zwar gut klin­gen, wird aber diese nicht er­rei­chen. Gleich­zei­tig sind es aber nur die, wo dann das oben be­spro­che­ne Po­ten­ti­al von 6 Euro Be­hand­lungs­kos­ten­ein­spa­rung lie­gen könn­ten.

Aber näh­men wir an, alle Pro­ble­me seien ge­löst, wel­che Prä­ven­ti­on ist den ei­gent­lich wich­tig? Sind es wirk­lich Kin­der, denen wir Vor­schrif­ten ma­chen soll­ten? Nein, denn die sind in der ak­tu­el­len de­mo­gra­phi­schen Si­tua­ti­on völ­lig ne­ben­säch­lich.

Für die nächs­ten 30 Jahre sind es die Ba­by­boo­mer, die un­se­re Ge­sund­heits­sys­tem über­las­ten wer­den. Wenn schon je­mand mit ge­setz­li­chen Pflich­ten zur bes­se­ren Le­bens­füh­rung ge­zwun­gen wer­den müss­te, dann die vor 1965 ge­bo­re­nen. Dort ist Über­ge­wicht üb­lich, Al­ko­hol- und Ni­ko­tin-Kon­sum hoch, Health Li­ter­a­cy nied­rig und chro­ni­sche Er­kran­kun­gen, deren Ver­lauf be­ein­flusst wer­den könn­te, weit ver­brei­tet.

Un­an­ge­neh­mer­wei­se sind es aber auch die meis­ten Wäh­ler. Denen Vor­schrif­ten und Pflich­ten auf­zu­er­le­gen ist po­li­tisch un­klug. Und so liegt der Fokus auf Kin­dern, die ge­sund al­tern sol­len.

First pu­blis­hed im PE­RIskop

Massenhaft bejubelte Meilensteine

Die AUVA be­ju­belt die Ei­ni­gung auf eine De­fi­ni­ti­on von Prä­ven­ti­on als „Mei­len­stein“ – tat­säch­lich gibt es dar­über seit 1986 eine Ver­stän­di­gung.

Wei­ter­le­sen: Mas­sen­haft be­ju­bel­te Mei­len­stei­ne

Eu­pho­risch klingt die Pres­se­aus­sen­dung der AUVA, in der mit­ge­teilt wird, dass seit 18. 8. 2013 „Ös­ter­reichs po­li­ti­sche Ge­sund­heits­land­schaft ein ge­mein­sa­mes Ver­ständ­nis der Be­grif­fe Prä­ven­ti­on und Ge­sund­heits­för­de­rung hat“: So­zi­al­ver­si­che­rung, Bund, Län­der und die Wirt­schaft saßen in Alp­bach zu­sam­men und: „Wir haben uns auf die­ses Be­griffs­ver­ständ­nis ge­mein­sam ge­ei­nigt, es ist ein gro­ßer Er­folg für die Ös­ter­rei­che­rin­nen und Ös­ter­rei­cher.“

   Fest­ge­hal­ten wurde: „Prä­ven­ti­on ist ein pa­tho­ge­ne­ti­sche An­satz. Was macht krank? Ge­sund­heits­för­de­rung be­deu­tet den An­satz ‚Was er­hält ge­sund, was stärkt die Res­sour­cen des Ein­zel­nen, wie lässt sich der Zu­stand ver­bes­sern‘?“

   Eine mei­len­stei­ni­ge Ab­gren­zung der bei­den Be­grif­fe – und so in­no­va­tiv. Warum soll­te auch die Ot­ta­wa-Char­ta zur Ge­sund­heits­för­de­rung, in der sol­che De­fi­ni­tio­nen na­tür­lich zu fin­den sind und auf denen welt­weit eine Fülle von Kon­zep­ten auf­bau­en, in der hie­si­gen Ge­sund­heits­po­li­tik heute schon an­ge­kom­men sein? Die­ses Do­ku­ment wurde am 21. 11. 1986 zum Ab­schluss der Ers­ten In­ter­na­tio­na­len Kon­fe­renz zur Ge­sund­heits­för­de­rung von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) in Ot­ta­wa ver­öf­fent­licht und von Franz Kreu­zer, Ge­sund­heits­mi­nis­ter in der Re­gie­rung Vra­nitz­ky I (SPÖ-FPÖ-Ko­ali­ti­on), mit­un­ter­schrie­ben.

   Es stört mich zwar, dass wir Jahr­zehn­te hin­ter­her­hän­gen, was mich aber är­gert, ist, mit wel­cher Selbst­ver­ständ­lich­keit Ju­bel­mel­dun­gen ab­ge­setzt wer­den, für Dinge, die ei­gent­lich pein­lich sein soll­ten – und zwar allen, egal ob Kran­ken­kas­sen­funk­tio­när, Lan­des­haupt­mann oder Ge­sund­heits­mi­nis­ter.

   Ein an­de­res Bei­spiel: 1969 hat die WHO fest­ge­hal­ten, dass es keine Vor­keh­rung für eine sys­te­ma­ti­sche Be­wer­tung der Qua­li­tät der Ar­beit der ein­zel­nen Spi­tä­ler gibt. Im Jahr 2000 wurde ju­belnd zwi­schen Bund und Län­dern ver­ein­bart: „Zur flä­chen­de­cken­den Si­che­rung und Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät (. . .) ist die sys­te­ma­ti­sche Qua­li­täts­ar­beit (. . .) zu in­ten­si­vie­ren. Dazu ist ein ge­samt­ös­ter­rei­chi­sches Qua­li­täts­sys­tem ein­ver­nehm­lich zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en zu ent­wi­ckeln, um­zu­set­zen und re­gel­mä­ßig zu eva­lu­ie­ren und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.“ Mit ju­beln­den Wor­ten wurde 2005 sogar ein Ge­setz be­schlos­sen, das Ge­sund­heits­qua­li­täts­ge­setz.

   Und in der jet­zi­gen Re­form, deren erste Ei­ni­gung be­reits im No­vem­ber 2010 be­ju­belt wurde, da­nach x-fach wie­der – bei der „Be­schluss­fas­sung“ von der Ver­hand­lungs­grup­pe, be­ste­hend aus zwei Län­der-, zwei Bun­des- und zwei Kas­sen­ver­tre­tern, dann von der Lan­des­haupt­leu­te­kon­fe­renz, vom Mi­nis­ter­rat, im Par­la­ment. Vor kur­zem gab es noch ein­mal Lob, als die Trä­ger­kon­fe­renz im Haupt­ver­band (wer?) unter An­we­sen­heit hoher und höchs­ter Wür­den­trä­ger zu­stimm­te . Und da steht zum Thema Qua­li­tät Fol­gen­des: „Bun­des­ein­heit­li­che Min­dest an­for­de­run­gen an Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­te­me für alle Ein­rich­tun­gen des Ge­sund­heits­we­sens de­fi­nie­ren und in der Folge schritt­wei­se ein­füh­ren und eva­lu­ie­ren.“

   So ganz unter uns – warum ist es Po­li­ti­kern nicht pein­lich, so viel zu ju­beln, ob­wohl ei­gent­lich nichts wei­ter­geht?

„Wie­ner Zei­tung“ Nr. 173 vom 05.09.2013                    

Wie löst man den virtuellen Hausärzte- und echten Präventionsmangel auf einen Streich

Prä­ven­ti­on soll ver­stärkt wer­den. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann nach „mehr“ Geld ge­ru­fen wird. Ich bin dafür, dass wir Geld aus den Spi­tä­lern zu den Haus­ärz­ten für Vor­sor­ge­mo­del­le um­schich­ten.

Mit etwa 470 prak­ti­zie­ren­den Ärz­ten (ohne Zahn­ärz­te) pro 100.000 Ein­woh­ner lie­gen wir un­an­ge­foch­ten an ers­ter Stel­le.  Auch mit 110 Mil­lio­nen Kas­sen­arzt-Be­su­chen sind wir ver­mut­lich ganz vorne dabei; hier ist aber das Ver­glei­chen nicht so leicht. Dass wir mit 30 Spi­tals­auf­nah­men pro 100 Ein­woh­ner spit­ze sind, ist All­ge­mein­wis­sen. Und wenn wir gleich fünf­mal mehr Spi­tä­ler als die Dänen, aber nur 1,5-mal Mehr Ein­woh­ner haben, den­ken viele dar­über nach, ob’s nicht doch ein bis­serl we­ni­ger sein dürf­te.

Also an Mit­teln man­gelt es nicht. Aber was ma­chen wir dar­aus?

Un­se­re Se­nio­ren dür­fen eben nicht mit so vie­len ge­sun­den Le­bens­jah­ren rech­nen wie in jenen Län­dern, die gleich viel aus­ge­ben wie wir. Hier spie­len wir nicht in der Ober­li­ga, son­dern mit den Nach­züg­lern – die aber gleich 30% we­ni­ger Res­sour­cen auf­wen­den, um das Glei­che zu er­rei­chen.  Die­ser Um­stand spie­gelt sich dann auch in an­de­ren Zah­len wider. Mitt­ler­wei­le ist jeder drit­te neue Pen­sio­nist in­va­li­de, das sind in etwa 30.000 pro Jahr und ein Spit­zen­wert. Lo­gisch, un­se­re Be­völ­ke­rung ist ein Pfle­ge­fall. Wäh­rend in­ter­na­tio­nal bei über 80-Jäh­ri­gen mit we­ni­ger als 25% Pfle­ge­be­dürf­tig­keit ge­rech­net wird, sind es bei uns fast 60%.

Es soll­te end­lich klar wer­den, dass wir nicht mehr Mit­tel brau­chen, son­dern  diese ver­nünf­tig auf Prä­ven­ti­on, Ku­ra­ti­on, Re­ha­bi­li­ta­ti­on, Pfle­ge und Pal­lia­tiv­ver­sor­gung auf­tei­len.

Und weil es hier­zu­lan­de vor allem an der Prä­ven­ti­on man­gelt, hier gleich ein Vor­schlag, der nicht nur der Prä­ven­ti­on mehr Be­deu­tung gibt, son­dern auch das Pro­blem mit den Haus­ärz­ten lösen kann.

Der Mut­ter-Kind-Pass (MKP), der fast aus­schließ­lich über ein mo­ne­tä­res Bo­nus-Ma­lus-Sys­tem an­ge­reizt ist, ist wohl das er­folg­reichs­te Prä­ven­ti­ons­pro­gramm hier­zu­lan­de. Es kos­tet etwa 60 Mil­lio­nen €. Weil es funk­tio­niert, würde ein mo­ne­tä­res Bo­nus-Ma­lus-Sys­tem viel­leicht auch bei Er­wach­se­nen (schließ­lich sind alle El­tern er­wach­sen) funk­tio­nie­ren.

Also soll­te der Haupt­ver­band den Spi­tä­lern 200 Mil­lio­nen € (etwa 2% der Ge­samt­kos­ten) we­ni­ger über­wei­sen und damit eine kom­plet­te neue haus­arzt­zen­trier­te Vor­sor­ge­schie­ne fi­nan­zie­ren, die wie der MKP an­ge­reizt wird.

Alle Ös­ter­rei­cher zwi­schen 35 und 60 er­hal­ten, wenn sie zur jähr­li­chen Vor­sor­ge­un­ter­su­chung gehen, 100 € bar. In die­ser Un­ter­su­chung wer­den mit dem Pa­ti­en­ten in­di­vi­du­el­le, aber wis­sen­schaft­lich ab­ge­si­cher­te Ziele ver­ein­bart (Ab­neh­men, mit dem Rau­chen auf­hö­ren, mehr Be­we­gung etc. ähn­lich aber etwas bes­ser auf­ge­setzt als das SVA-Mo­dell). Er­reicht der Pa­ti­ent diese Ziele, er­hält er zu­sätz­lich 100 € – also 200 €.

Über 60 wird es ein biss­chen brenz­li­ger: dort wer­den dem, der NICHT zur Vor­sor­ge­un­ter­su­chung geht, 300 € (pro Jahr! – also 21€ pro „Monat“ bei 14 Be­zü­gen) von der (Brut­to-)Pen­si­on ab­ge­zo­gen – ana­log dem ein­be­hal­te­nen Kin­der­be­treu­ungs­geld, wenn MKP-Un­ter­su­chun­gen nicht wahr­ge­nom­men wer­den. Was für Fa­mi­li­en in viel hö­he­ren Di­men­sio­nen (dort feh­len dann pro Monat deut­lich mehr als 21€) er­laubt ist, kann bei Pen­sio­nis­ten nicht un­mensch­lich sein! Und geht ein Pen­sio­nist nicht nur hin, son­dern er­reicht auch seine Ziele, gibt es auch für ihn 100 € bar.

Rech­net man mit 50% Teil­nah­me bei den unter 60-Jäh­ri­gen und mit 80% bei Pen­sio­nis­ten, einer Ziel­er­rei­chung bei der Hälf­te, stellt die jet­zi­ge Vor­sor­ge­un­ter­su­chung ein und wid­met die ein­be­hal­te­nen Pen­si­ons­an­tei­le dem neuen Pro­gramm, dann ist das alles um jene zu­sätz­li­chen 200 Mil­lio­nen zu haben, die den Spi­tä­lern weg­ge­nom­men wer­den und nicht wirk­lich ab­ge­hen kön­nen.

Setzt man so ein Mo­dell um, dann wür­den die Haus­ärz­te so um etwa 120 Mil­lio­nen mehr Um­satz ma­chen als heute. Vor­aus­ge­setzt, die Zahl der Haus­ärz­te wird nicht er­höht (was blöd wäre), dann käme das einer Ein­kom­mens­stei­ge­rung von etwa 30% gleich und würde so die große Dif­fe­renz zu den nie­der­ge­las­se­nen Fach­ärz­ten er­heb­lich ver­klei­nern. Und weil be­kannt ist, dass eben diese Dif­fe­renz einer der de­mo­ti­vie­rends­ten Fak­to­ren dar­stellt, würde so der Haus­arzt­be­ruf  deut­lich at­trak­ti­ver wer­den.

Und weil so ein Prä­ven­ti­ons­pro­gramm haus­arzt­zen­triert auf­ge­setzt ist, wird die Rolle des Haus­arz­tes im Sys­tem mas­siv ge­stärkt – und zwar über den Be­reich, wo wir nach­hin­ken – der Prä­ven­ti­on!  Im Üb­ri­gen, es ist Schwach­sinn, Prä­ven­ti­on, wie in ei­ni­gen Bun­des­län­dern an­ge­dacht, ins Spi­tal zu zie­hen. Die ge­hört zum wohn­ort­na­hen Haus­arzt (ei­gent­lich zum so ge­nann­ten Pri­mär­ver­sor­ger, der unter Um­stän­den auch ein Fach­arzt sein kann!) und sonst nir­gend­wo hin.

Al­ler­dings, und das ist halt wich­tig, muss es wirk­lich ein Pro­gramm sein, und nicht nur ein­fach eine Geld­ver­schie­bung (ob­wohl ich mich  schon mit dem zu­frie­den geben würde, weil eben dass Al­lo­ka­ti­ons­pro­blem we­nigs­tens ein biss­chen ent­schärft wäre).

Der Vor­schlag ist zwar ver­mut­lich nicht wirk­lich ef­fi­zi­ent, aber es wür­den si­cher, eine be­glei­ten­de Ver­sor­gungs­for­schung vor­aus­ge­setzt, ei­ni­ge Ef­fek­te auf­tre­ten, auf denen man wei­ter­bau­en kann.

 

PS: Mir ist klar, es ist eine etwas ver­que­re Ethik, jene zu be­loh­nen, die sich selbst nicht ge­sund hal­ten. Aber für alle, die ein­zah­len, ist es, prag­ma­tisch be­trach­tet, ge­schei­ter, vor­her we­ni­ger Geld her­zu­schen­ken, als spä­ter für teu­re­re Be­hand­lun­gen zu be­zah­len. Ginge es, Prä­ven­ti­on mit hö­he­ren Selbst­be­hal­ten für The­ra­pi­en um­zu­set­zen, wäre es mir lie­ber, ist aber be­wie­se­ner­ma­ßen nicht mög­lich – eine Ei­gen­tüm­lich­keit des Ge­sund­heits­mark­tes.

 PPS.: die­ses Mo­dell kos­tet Steu­er- und Bei­trags­zah­ler kei­nen Gro­schen mehr, vor­aus­ge­setzt, die Spi­tä­ler schaf­fen es, ihre Ef­fi­zi­enz um 2 % zu stei­gern!!

PPPS.: Ich weiß, dass die Län­der nie zu­stim­men wer­den, auf diese re­la­tiv klei­ne Summe je­mals zu ver­zich­ten, ja nicht ein­mal zu­stim­men wür­den, wenn es zu­sätz­li­che Mit­tel gäbe, auf „ihren“ Beu­te­an­teil zu ver­zich­ten (die Hälf­te der Kas­sen­ei­nah­men gehen an die Län­der – wonit die­ses Pro­gramm au­to­ma­tisch schon 400 Mio.€ kos­ten würde!)

Ein überraschtes WIFO und ein tauber Minister

Prof. Ai­gin­ger vom WIFO und Mi­nis­ter Stö­ger lesen den Re­zept­block nicht. Sonst wäre in der letz­ten Woche etwas an­de­res zu hören ge­we­sen.

Prof. Ai­gin­ger war näm­lich über­rascht, als er er­fuhr, dass unser Ge­sund­heits­sys­tem zwar das zweit teu­ers­te im Eu­ro-Raum ist, aber ge­mes­sen an den zu er­war­ten­den ge­sun­den Le­bens­jah­ren, dem ei­gent­li­chen Ziel des Sys­tems, so gut wie jedes Land bes­ser ist, ob­wohl genau das vor zwei Mo­na­ten an die­ser Stel­le stand.

Dass Mi­nis­ter Stö­ger, als Ver­tei­di­ger des „bes­ten Sys­tems“, diese Ko­lum­ne nicht liest, war zu er­war­ten. Dass er aber auch dem Ai­gin­ger nur mehr se­lek­tiv zu­hört? Nicht an­ders ist je­doch seine Re­ak­ti­on zu er­klä­ren, die die Fan­ta­sie­lo­sig­keit der letz­ten Jahr­zehn­te auf­weist: „Da brau­chen wir mehr Mit­tel.“ Um was zu er­rei­chen? Das teu­ers­te zu wer­den?

Auch der Mi­nis­ter soll­te end­lich ler­nen, dass wir nicht mehr Mit­tel brau­chen, son­dern er damit an­fan­gen muss, diese ver­nünf­tig auf Prä­ven­ti­on, Ku­ra­ti­on, Re­ha­bi­li­ta­ti­on, Pfle­ge und Pal­lia­tiv­ver­sor­gung auf­zu­tei­len, statt stän­dig nur über Kran­ken­kas­sen und Spi­tä­ler zu reden, oder ir­gend­wel­che Dia­lo­ge ein­zu­rich­ten.

Hier eine Nach­hil­fe für die Prä­ven­ti­on.

Der Mut­ter-Kind-Pass ist wohl das er­folg­reichs­te Prä­ven­ti­ons­pro­gramm hier­zu­lan­de. Es kos­tet etwa 60 Mil­lio­nen Euro. Weil es funk­tio­niert, würde es viel­leicht auch bei Er­wach­se­nen funk­tio­nie­ren. Schließ­lich ist Ei­gen­ver­ant­wor­tung die­sem Land fremd und Papa Staat für fast alles zu­stän­dig.

Wie ma­chen wir es: Der Haupt­ver­band über­weist den Spi­tä­lern 200 Mil­lio­nen (etwa zwei Pro­zent der Ge­samt­kos­ten) we­ni­ger. Mit die­sem Geld fi­nan­ziert er eine kom­plet­te neue Vor­sor­ge­schie­ne beim Haus­arzt.

Alle Ös­ter­rei­cher zwi­schen 35 und 60 er­hal­ten, wenn sie zur jähr­li­chen Vor­sor­ge­un­ter­su­chung gehen, 100 Euro bar. In die­ser Un­ter­su­chung wer­den mit dem Pa­ti­en­ten in­di­vi­du­el­le, aber wis­sen­schaft­lich ab­ge­si­cher­te, Ziele ver­ein­bart (Ab­neh­men, Rau­chen auf­hö­ren, mehr Be­we­gung etc.). Er­reicht der Pa­ti­ent diese Ziele, er­hält er zu­sätz­lich 100 Euro – macht 200 Euro.

Über 60 wird es ein biss­chen brenz­li­ger: dort wer­den dem, der nicht hin­geht, 300 Euro (pro Jahr!) von der (Brut­to)Pen­si­on ab­ge­zo­gen – ana­log dem ein­be­hal­te­nen Kin­der­be­treu­ungs­geld, wenn Mut­ter-Kind-Pass-Un­ter­su­chun­gen nicht wahr­ge­nom­men wer­den. Was für Fa­mi­li­en in viel hö­he­ren Di­men­sio­nen er­laubt ist, kann bei Pen­sio­nis­ten nicht un­mensch­lich sein! Er­reicht ein Pen­sio­nist seine Ziele, gibt es auch 100 Euro bar.

Rech­net man mit 50 Pro­zent Teil­nah­me bei den unter 60-jäh­ri­gen und mit 80 Pro­zent bei Pen­sio­nis­ten, einer Ziel­er­rei­chung bei der Hälf­te, stellt die jet­zi­ge Vor­sor­ge­un­ter­su­chung ein und wid­met die ein­be­hal­te­nen Pen­si­ons­an­tei­le dem neuen Pro­gramm, dann ist das alles um 200 Mil­lio­nen zu haben, die den Spi­tä­lern nicht wirk­lich ab­ge­hen kön­nen.

Die Haus­ärz­te wür­den um etwa 240 Mil­lio­nen mehr Um­satz ma­chen, was deren Job deut­lich at­trak­ti­ver macht und ihre Rolle enorm stei­gern würde. Es ist üb­ri­gens Schwach­sinn, Prä­ven­ti­on – wie in ei­ni­gen Bun­des­län­dern an­ge­dacht – ins Spi­tal zu zie­hen. Die ge­hört zum wohn­ort­na­hen Haus­arzt (ei­gent­lich zu so­ge­nann­ten Pri­mär­ver­sor­ger, der unter Um­stän­den auch ein Fach­arzt sein kann!) und sonst nir­gend­wo hin.

Der Vor­schlag ist zwar ver­mut­lich nicht wirk­lich ef­fi­zi­ent, aber es wür­den si­cher ei­ni­ge Ef­fek­te, eine be­glei­ten­de Ver­sor­gungs­for­schung vor­aus­ge­setzt, auf­tre­ten, auf denen man auf­bau­en kann – und zwar nach­hal­tig und ganz ohne Über­ra­schun­gen!

Die­ser Ar­ti­kel wurde im Mai 2011 in ähn­li­cher Form in der Wie­ner Zei­tung ver­öf­fent­licht.

Wenn er nur zum Arzt ginge

Prä­ven­ti­on ist schwie­rig, ge­ra­de hier­zu­lan­de. Wenn man sie ver­nünf­tig be­trei­ben will, soll­te man schau­en, wo viel­leicht schon man­ches funk­tio­niert.

Frau M. (75) muss sich wie­der ein­mal über ihren Mann (75) är­gern. Sie sind zwar beide noch rüs­tig und kön­nen ihre Leben selbst ge­stal­ten, aber er ist halt doch etwas fahr­läs­sig mit sei­ner Ge­sund­heit. Er raucht ein wenig, zieht Schweins­bra­ten dem Salat vor und, was Frau M. am meis­ten är­gert, ver­tritt stand­haft die Mei­nung: wer zum Arzt geht, muss krank sein.

Sta­tis­tisch be­trach­tet, wird Herr M. fünf bis sechs Jahre vor sei­ner Frau ster­ben. So in etwa zwei Jahre dürf­ten auf bio­lo­gi­sche Fak­to­ren zu­rück­zu­füh­ren sein, die rest­li­chen sind in ir­gend­ei­ner Weise „selbst-“ oder zu­min­dest „mit­ver­schul­det“.

Es gibt viele Theo­ri­en, warum Män­ner frü­her ster­ben als Frau­en. Die meis­ten un­ter­stel­len, dass Frau­en ein bes­se­res Ge­sund­heits­be­wusst­sein haben. Dabei ist nicht klar, warum das so ist, klar ist nur, dass es so ist.

Ge­sund­heits­be­wusst­sein schaf­fen ist ein we­sent­li­ches Ziel der Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on. Ins­be­son­de­re gilt es dabei, jene Men­schen zu er­rei­chen, die am meis­ten davon pro­fi­tie­ren wür­den. Gut ge­bil­de­te Men­schen mit hohem Ein­kom­men haben sta­tis­tisch be­trach­tet be­reits ein bes­se­res Ge­sund­heits­be­wusst­sein, als jene mit nied­ri­ger Bil­dung und nied­ri­gem Ein­kom­men. Und genau letz­te­re Grup­pe mei­det Ärzte gerne. In den Sta­tis­ti­ken drückt sich das dann als ge­rin­ge­re Le­bens­er­war­tung aus.

Damit haben wir zwei we­sent­li­che Punk­te: Ge­sund­heits­be­wusst­sein ist ge­schlechts­spe­zi­fisch und von so­zio-öko­no­mi­schen Fak­to­ren be­ein­flusst.

Es ist nicht so, dass es für jede Krank­heit gut ist, sie mög­lichst früh zu ent­de­cken. Auch kann nicht jede Krank­heit ver­mie­den wer­den, wenn man sich nur oft genug un­ter­su­chen lässt. Aber so ten­den­zi­ell ist es rat­sam mög­lichst früh Ri­si­ko­fak­to­ren und Krank­hei­ten zu er­ken­nen. Aber das Den­ken „Ich gehe nur zum Arzt, wenn ich krank bin“ ver­hin­dert das.

Aus die­sem Grund ver­sucht man mit gut struk­tu­rier­ten Pro­gram­men, die Prä­ven­ti­on mög­lichst weg von „Krank­heits­ein­rich­tun­gen“ zu brin­gen, also weg von Kran­ken­häu­sern und Or­di­na­tio­nen, hin zum Pa­ti­en­ten. In Groß­bri­tan­ni­en fah­ren bei­spiels­wei­se Au­gen­ärz­te in die Dör­fer und un­ter­su­chen in Ge­mein­de­sä­len Dia­be­ti­ker (Au­gen­krank­hei­ten und Er­blin­dung sind häu­fi­ge Kom­pli­ka­tio­nen bei Dia­be­tes, die je­doch ver­mie­den wer­den kön­nen, wenn man sie früh genug er­kennt). Damit er­reicht man viel mehr Men­schen als mit einer sim­plen Über­wei­sung zum Fach­arzt, die oft nur von jenen Pa­ti­en­ten in An­spruch ge­nom­men wird, die wegen ihres hö­he­ren Ge­sund­heits­be­wusst­seins oh­ne­hin we­ni­ger Au­gen­pro­ble­me ent­wi­ckeln.

Aber sol­che Pro­gram­me sind auf be­stimm­te Krank­hei­ten be­schränkt und kön­nen nur wenig zur ge­ne­rel­len Stei­ge­rung des Ge­sund­heits­be­wusst­seins bei­tra­gen. Bei Frau­en al­ler­dings ist die­ses über alle so­zio-öko­no­mi­schen Schich­ten hin­weg stär­ker aus­ge­prägt als bei den Män­nern. Warum also?

Es gibt hier nur einen ge­mein­sa­men Nen­ner: So gut wie alle Frau­en sind ge­wöhnt, über Jahr­zehn­te auch ge­sund zu ihrem Frau­en­arzt zu gehen. Wenn man weiß, dass es eine der größ­ten Hür­den guter Prä­ven­ti­on ist, „Ge­sun­de“ zum Arzt zu brin­gen, dann liegt der Schluss nahe, dass re­gel­mä­ßi­ge Arzt­be­su­che als Ge­sun­der dazu bei­tra­gen kön­nen, das Ge­sund­heits­be­wusst­sein zu er­hö­hen und Prä­ven­ti­on erns­ter zu neh­men.

Nun, wäre es nicht ver­nünf­tig, auch den Haus­arzt so wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, dass er von mög­lichst allen nicht nur als „Re­pa­ra­tur-Dok­tor“ son­dern als „Ge­sund­heits­be­ra­ter“ wahr­ge­nom­men wird? Ver­mut­lich, aber wer will das schon.

Die­ser Ar­ti­kel wurde im De­zem­ber 2009 in ähn­li­cher Form in der Wie­ner Zei­tung ver­öf­fent­licht.

Machtmissbrauch im Gesundheitssystem

Der Kampf, wer jetzt die Hand sein darf, die alles fi­nan­ziert, ist aus­ge­bro­chen – um in die Or­ga­ni­sa­ti­on ein­zu­grei­fen und seine Macht aus­zu­deh­nen!

Chro­nisch krank sind sie, die bei­den Bur­schen, die letzt­hin in einer ORF-Sen­dung zu sehen waren, und ein Pa­ra­de­bei­spiel für die Sys­tem­feh­ler. Die bei­den brau­chen, damit die Fol­gen ihrer ge­ne­ti­schen Krank­heit das Leben nicht in Un­er­träg­lich­keit ver­wan­deln, re­gel­mä­ßig Phy­sio­the­ra­pie. Doch wer be­zahlt diese? Klar ist, beide sind Pfle­ge­fäl­le und es be­steht, wie bei allen chro­ni­schen Krank­hei­ten, keine Chan­ce auf Hei­lung, son­dern nur auf Lin­de­rung. Und weil das so ist, leben sie zwi­schen den Wel­ten.

Wenn sie zu­hau­se wund­lie­gen oder wegen feh­len­der Be­we­gung Lun­gen­ent­zün­dun­gen krie­gen, ja, dann er­hal­ten sie ihre (dann viel teu­re­ren) The­ra­pi­en von der Kran­ken­kas­se. Durch re­gel­mä­ßi­ge Phy­sio­the­ra­pie Wund­lie­gen und Pneu­mo­nie zu ver­mei­den, das ist nicht Sache der Kas­sen. Zwar müs­sen diese The­ra­pi­en be­zah­len, wenn eine Ver­schlech­te­rung einer Krank­heit ver­mie­den wer­den kann, aber wie ist das bei un­heil­ba­ren Krank­hei­ten? In die­sem Fall kommt das Ar­gu­ment, dass die Län­der zah­len müs­sen – weil es ja Pfle­ge­fäl­le sind. Län­der al­ler­dings sehen ihre Auf­ga­be darin, Pfle­ge­hei­me zu fi­nan­zie­ren. Kos­ten für Phy­sio­the­ra­pie zu über­neh­men, um eine Ein­wei­sung in ein Heim zu ver­mei­den, also prä­ven­tiv tätig zu wer­den, das steht nicht auf deren Auf­ga­ben­lis­te – dafür ist wer an­de­rer zu­stän­dig, oder?

Es ist ein zy­ni­sches Spiel, das hin­ter all dem steht. Es ist der Ver­such, mög­lichst dem an­de­ren Kos­ten zu über­las­sen. Das geht nicht nur bei den Wel­ten Pfle­ge-Kran­ken­ver­sor­gung so, auch bei der Prä­ven­ti­on, der Re­ha­bi­li­ta­ti­on und der Pal­lia­tiv­ver­sor­gung ist es das glei­che – schlicht über­all dort, wo die Fi­nan­zie­rung je­weils je­mand an­de­rem ge­hört. Und am Ende ist das alles nicht nur sau­teu­er, son­dern vor allem un­mensch­lich.

Des­we­gen, und wegen nichts an­de­rem, braucht man die Fi­nan­zie­rung aus einer Hand. Das Spiel der be­triebs­wirt­schaft­li­chen Op­ti­mie­rung der ein­zel­nen Fi­nan­ziers, die noch dazu al­le­samt Pflicht-In­sti­tu­tio­nen sind – nie­mand darf aus die­sem Spiel aus­stei­gen und dank Selbst­ver­wal­tung in vie­len Fäl­len nicht ein­mal die Ent­schei­dungs­trä­ger ab­wäh­len – auf dem Rü­cken der Pa­ti­en­ten und zu Las­ten der Steu­er- und Bei­trags­zah­ler muss be­en­det wer­den.

Aber, aus der Fi­nan­zie­rung aus einer Hand eine ope­ra­ti­ve Auf­ga­be ab­zu­lei­ten, das ist skur­ril. Doch of­fen­bar ver­ste­hen das man­che so. Da wird ernst­haft dar­über nach­ge­dacht, dass die Um­stel­lung auf so eine Fi­nan­zie­rung dazu füh­ren muss, mit zen­tra­len Büros Kran­ken­häu­ser, Or­di­na­tio­nen etc. zu füh­ren.

Das ist aber nicht der Sinn der Fi­nan­zie­rung aus einer Hand. Ganz im Ge­gen­teil. Um um­setz­bar zu sein, muss die Or­ga­ni­sa­ti­on so de­zen­tral wie mög­lich sein. Und dort soll eine de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te Hand für die Be­völ­ke­rung in über­schau­ba­ren Ver­sor­gungs­ge­bie­ten alle re­gio­nal be­nö­tig­ten prä­ven­ti­ven, dia­gnos­ti­schen, the­ra­peu­ti­schen, re­ha­bi­li­ta­ti­ven, pfle­gen­den oder pal­lia­ti­ven Dienst­leis­tun­gen, Ak­ti­vi­tä­ten oder Be­ra­tun­gen, die sich mit Krank­hei­ten, Sym­pto­men oder Ver­hal­ten­stö­run­gen, die ein In­di­vi­du­um auf­weist, be­fas­sen, ein­kau­fen – von An­bie­tern, die im Wett­be­werb ste­hen!

Daher sei klar fest­ge­hal­ten: Die Fi­nan­zie­rung aus einer Hand ist kein Ga­rant, aber lie­fert gute Vor­aus­set­zun­gen, eine in­te­grier­te Ver­sor­gung auf­zu­bau­en in der Pa­ti­en­ten zur rich­ti­gen Zeit an der rich­ti­gen Stel­le mit der rich­ti­gen Leis­tung ver­sorgt wer­den. Sie ist kein auch nur ir­gend­wie ge­ar­te­tes Ar­gu­ment zen­tra­lis­ti­scher Macht­ge­lüs­te.

Die­ser Ar­ti­kel wurde im Sep­tem­ber 2009 in ähn­li­cher Form in der Wie­ner Zei­tung ver­öf­fent­licht.