Fohnsdorf braucht dringend ein Spital

FOHNS­DORF; ge­le­gen zwi­schen Ju­den­burg und Knit­tel­feld, be­sitzt der klei­ne Ort eine Ther­me – und hohe Schul­den. Eine Sa­ti­re!

Die stei­ri­sche Ther­me, seit De­zem­ber 2007 in Be­trieb, hat noch nie schwar­ze Zah­len ge­se­hen. Was nicht ver­wun­dert. Be­reits beim Spa­ten­stich wurde ge­zwei­felt, ob der „Ther­men-Markt“ nicht längst ge­sät­tigt sei. Be­reits Sep­tem­ber 2009 (da­mals wurde ein Be­richt der Fach­ab­tei­lung 7A des Amtes der Stei­er­mär­ki­schen Lan­des­re­gie­rung über die Ge­ba­rung der Ge­mein­de Fohns­dorf ruch­bar) war klar, dass die Zweif­ler recht be­hal­ten und die Ther­me nur durch „fri­sches“ Steu­er­geld ge­ret­tet wer­den kann; Geld, das al­ler­dings nicht wirk­lich da war. Im­mer­hin hat die 8.000 See­len-Ge­mein­de be­reits Ver­bind­lich­kei­ten von etwa 30 Mil­lio­nen Euro.

Und weil man ver­mu­tet hat, dass da ein Fass ohne Boden steht, wurde eine Über­prü­fung durch den Rech­nungs­hof bis vor kur­zem ver­hin­dert. Der al­ler­dings hat jetzt ge­prüft und ein ver­nich­ten­des Ur­teil ge­spro­chen.

Die Re­ak­ti­on war ty­pisch: Der Rech­nungs­hof kennt sich nicht aus. Damit zeigt der Fohns­dor­fer Bür­ger­meis­ter be­reits, dass er ge­lernt hat. Warum also nicht mehr ler­nen?

Klar hält er ja fest, dass die Ther­me ein Zu­schuss­be­trieb ist und wohl auch blei­ben wird: „Aber wir wis­sen, dass In­fra­struk­tur­pro­jek­te in ganz Ös­ter­reich nur funk­tio­nie­ren, wenn die öf­fent­li­che Hand, Bund und Län­der, ihren Teil dazu bei­tra­gen. Das sehe ich auch als Auf­ga­be der öf­fent­li­chen Hand, die Re­gio­nen zu un­ter­stüt­zen.“ Mit der De­fi­ni­ti­on der Ther­me als In­fra­struk­tur- und Re­gio­nal­för­der­pro­jekt ist er auf dem rich­ti­gen Weg.

Be­trach­ten wir die Aus­gangs­la­ge. Fohns­dorf liegt, über Haupt­stra­ßen, mehr als 13 Ki­lo­me­ter von den Spi­tals­stand­or­ten Ju­den­burg und Knit­tel­feld ent­fernt. Damit, legt man nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Logik (die auch bei der Fi­nan­zie­rung hel­fen könn­te) an, weit genug, um ein Spi­tal zu recht­fer­ti­gen, so­wohl unter dem As­pekt der Ver­sor­gung, als auch der (!) Re­gio­nal­för­de­rung. Klar, das Ein­zugs­ge­biet ist mit dem In­dus­trie­vier­tel, wo in Baden und Möd­ling zwei Spi­tä­ler ne­ben­ein­an­der neu ge­baut wer­den, nicht ein­fach ver­gleich­bar – aber was ein „lee­res“ Ein­zugs­ge­biet be­trifft, da gibt es glück­li­cher­wei­se ein an­de­res „Best-Prac­tice-Mo­dell“; und das gleich auch noch in der Stei­er­mark: Bad Aus­see. Dort wird für 14.000 Ein­woh­ner um knapp 30 Mil­lio­nen Euro ein Spi­tal neu ge­baut. Es gib kei­nen Grund, nicht auch Fohns­dorf zum Spi­tals­stand­ort zu ma­chen.

Ich denke, man kann er­ken­nen, wor­auf ich hin­aus will. Die Ther­me soll­te nicht ein Well­ness-Tem­pel, son­dern ein Spi­tal sein. Und da soll­te man sich auf die wohn­ort­na­he Be­hand­lung von alten Pa­ti­en­ten kon­zen­trie­ren. Also eine klei­ne (aber feine) Chir­ur­gie und eine klei­ne (aber per­sön­li­che) In­ne­re Me­di­zin und dann eine große Akut­geria­trie und Re­mo­bi­li­sa­ti­on – die voll auf Hydro­the­ra­pie mit Ther­mal­was­ser setzt – ein welt­weit ein­zig­ar­ti­ges An­ge­bot!

So kann man gleich zwei Flie­gen auf ein­mal er­schla­gen. Ers­tens kann man um viel Geld die Ther­me um­bau­en. In der Zeit der Krise soll­te man ja viel bauen, da kann nie­mand was da­ge­gen haben. Zwei­tens wird man, ein­mal als Spi­tal an­er­kannt, nie wie­der ir­gend­wel­che pein­li­che Prü­fun­gen über sich er­ge­hen las­sen müs­sen. Bei Spi­tä­lern wird nie nach Aus­las­tung oder Be­darf ge­fragt, und nie­mand würde eine Schlie­ßung in Er­wä­gung zie­hen.

Im Üb­ri­gen sind sol­che Re­gio­nal­för­de­rungs­pro­gram­me, also die Er­rich­tung von Pro­duk­ti­ons­stät­ten in wirt­schaft­lich schwa­chen Re­gio­nen nicht neu. Jen­seits des ehe­ma­li­gen ei­ser­nen Vor­hangs wurde das lange geübt, mit her­vor­ra­gen­den Er­geb­nis­sen.

Die­ser Ar­ti­kel wurde im De­zem­ber 2010 in ähn­li­cher Form in der Wie­ner Zei­tung ver­öf­fent­licht.